Welche Ledersorten gibt es überhaupt?
Von Anilin bis Ziegenleder: Leder ist eines der vielseitigsten Naturmaterialien überhaupt, und doch werden viele Begriffe rund um Leder munter durcheinandergeworfen. Tatsächlich lässt sich Leder nach drei ganz unterschiedlichen Kriterien einteilen: nach der Oberfläche, nach der Qualitätsstufe der Narbenschicht und nach der Tierart, von der es stammt. Wer diese drei Ebenen kennt, versteht auch, warum “Wildleder” und “Suede” dasselbe meinen, während “Full-Grain” und “Top-Grain” trotz ähnlichem Namen deutlich unterschiedliche Qualitäten beschreiben.
Nach Oberfläche und Struktur
Glattleder besticht durch seine klassische, geschlossene Optik und wird häufig für Taschen, Schuhe und Möbel verwendet. Es ist robuster und pflegeleichter als aufgeraute Lederarten. Eine regelmässige Pflege mit geeigneten Lederprodukten erhält Geschmeidigkeit und Glanz.
Wildleder, im Englischen als Suede bezeichnet, wird meist aus der Fleischseite der Tierhaut gefertigt. Dadurch entsteht die typische samtig-raue Oberfläche mit kurzer Faser. Wildleder reagiert empfindlicher auf Feuchtigkeit und Flecken als Glattleder und benötigt eine spezielle Bürste sowie eine regelmässige Imprägnierung.
Nubukleder wird, anders als Wildleder, aus der Narbenseite – also der Aussenseite – der Haut gefertigt und anschliessend leicht angeschliffen. So entsteht eine feine, samtige Textur, die etwas strapazierfähiger ist als klassisches Wildleder, aber ähnlich empfindlich auf Flecken reagiert. Eine regelmässige Imprägnierung schützt die Oberfläche langfristig.
Nach Qualitätsstufe der Narbenschicht
Full-Grain-Leder (Vollnarbenleder) ist die hochwertigste Stufe. Die Narbenschicht bleibt vollständig unbehandelt, kleine natürliche Merkmale wie Poren oder leichte Unregelmässigkeiten bleiben sichtbar. Full-Grain-Leder entwickelt über die Jahre die charakteristische Patina und gilt als besonders langlebig und atmungsaktiv.
Top-Grain-Leder wird an der obersten Schicht leicht abgeschliffen, um Unregelmässigkeiten zu entfernen, und danach häufig mit einer schützenden Oberfläche versehen. Es wirkt dadurch gleichmässiger und ist unempfindlicher gegenüber Flecken als Full-Grain-Leder, entwickelt dafür aber eine weniger ausgeprägte Patina.
Corrected-Grain-Leder wird stärker geschliffen und anschliessend mit einem künstlichen Narbenmuster geprägt sowie beschichtet. Das macht es besonders widerstandsfähig gegen Kratzer und Flecken und preislich attraktiv, allerdings mit weniger natürlichem Charakter als Full-Grain- oder Top-Grain-Leder. Es wird häufig für Möbel, Schuhe und Autositze verwendet.
Nach Färbung und Veredelung
Anilinleder wird ausschliesslich mit löslichen Anilinfarben gefärbt, ohne zusätzliche Pigmentschicht. Dadurch bleiben Narbenbild und natürliche Merkmale der Haut sichtbar, und das Leder wirkt besonders weich und hochwertig. Da keine schützende Deckschicht vorhanden ist, reagiert Anilinleder empfindlicher auf Flecken und Sonnenlicht als pigmentiertes Leder – dafür überzeugt es durch seine natürliche, luxuriöse Ausstrahlung.
Nach Tierart
Rindleder ist das am häufigsten verwendete Leder für Taschen und Reisegepäck. Es ist robust, langlebig und in vielen Qualitätsstufen erhältlich.
Kalbsleder stammt von jungen Tieren und ist feinporiger sowie weicher als Rindleder aus ausgewachsenen Tieren. Es gilt als besonders edel, ist dabei aber etwas empfindlicher.
Ziegenleder ist vergleichsweise leicht bei gleichzeitig hoher Reissfestigkeit, mit einer feinen, natürlich genarbten Oberfläche. Es wird häufig für Handschuhe und kleine Lederwaren verwendet, da es trotz des geringen Gewichts sehr strapazierfähig ist.
Die richtige Pflege für jede Ledersorte
So unterschiedlich diese Ledersorten sind, so unterschiedlich ist auch ihre Pflege: Glattleder verzeiht am meisten, Wildleder und Nubuk brauchen besonderen Schutz vor Feuchtigkeit, und Anilinleder verlangt den sorgfältigsten Umgang. Wie Sie Ihre Ledertasche im Alltag richtig pflegen, lesen Sie in unserem Beitrag zur Lederpflege.
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